Teuschnitzer Gesangverein ist Geschichte

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Im 157. Jahr seines Bestehens wurde der Gesangverein Teuschnitz aufgelöst. Der endgültige Beschluss fiel im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung.

 

Der Gesangverein 1868 Teuschnitz kann auf ein mit Unterbrechung 157-jähriges Bestehen zurückblicken. Aufgrund von Nachwuchsmangel, der Altersstruktur der Sängerinnen und Sänger sowie der Vakanz am Dirigentenpult beschloss man im Jahr 2020, ihn bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Schon damals hegte man erhebliche Zweifel an dessen Fortbestand, was sich zwischenzeitlich leider bestätigte. Auch das seit 2024 alle vier Wochen stattfindende „Wirtshaus-Singen“ im Gasthaus „Schwarzes Kreuz“ konnte den eigentlichen Chorgesang und die homogene Chorgemeinschaft nicht ersetzen. Obwohl eine Auflösung alternativlos war, fiel dieser Entschluss den Mitgliedern bei der nunmehr einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung alles andere als leicht - insbesondere auch aufgrund der langen Vereinshistorie, die 1868 bzw. 1969, respektive 1984, begonnen hatte.

 

„Was haben wir nicht alles erlebt“, resümierte die Schriftführerin Dagmar Knauer, die aufgrund des traurigen Anlasses noch einmal die vergangenen 40 Jahre Chor-Zeit Revue passieren ließ. Mit reichlich Wehmut, aber auch voller Freude und Dankbarkeit über das gemeinsam Erlebte, erinnerte sie an die stimmungsvollen Weihnachtskonzerte gemeinsam mit der Stadtkapelle Teuschnitz, an die gut arrangierten Wein- und Schlossgartenfeste sowie an die herrliche Busfahrt 1994 nach Desenzano am Gardasee. Höhepunkte waren die Jubiläumsfeiern - so das großartige 125-jährige Gründungsjubiläum in 1993, verbunden mit dem Gruppensängerfest der Sängergruppe Frankenwald, 1998 das 130-jährige Gründungsjubiläum, in 2008 das 140-jährige und schlussendlich das 150-jährige Jubiläum im Jahr 2018. Ab 2020 unterlag man dann den gesellschaftlichen Brüchen der Neuzeit, der Zeitenwende. Zum einen beendete bedauerlicherweise Bernd Jungkunz seine Tätigkeit als Dirigent und kein neuer Chorleiter war in Aussicht. Zum anderen bewirkte die Pandemie einen großen Bruch im Vereinsgeschehen. Vor dem Hintergrund der aktuellen altersbedingten Struktur sei die Auflösung des Vereins ohne Alternative.

 

„So ist die Beendigung unseres traditionsreichen Chores, auch als Kulturträger, sicher ein tiefer Einschnitt im Vereinsleben der Stadt Teuschnitz“, bekundete Dagmar Knauer, die sich allen Vorsitzenden der vergangenen vier Jahrzehnte gegenüber sehr dankbar zeigte - posthum Peter Horn und Josef Müller sowie Hans Neubauer wie auch dem jetzt noch amtierenden Vorsitzenden Gerhard Förtsch. Sie alle führten den Verein durch Höhen und Tiefen. Gleiches gilt für die Chorleiter Lothar Jungkunz sowie Bernd Jungkunz. 1984 erlebte der Verein eine Renaissance - eine Wiederbelebung in Form eines gemischten Chores durch Lothar Jungkunz. Ab 2001 übernahm Bernd Jungkunz bis 2019 die Leitung. „Wir konnten uns glücklich schätzen, solche musisch-beseelte Männer in unseren Reihen gehabt zu haben, unter deren „Ägide“ unserem Chor ein großes Renommee zuteil wurde. Beiden zollte sie volle Wertschätzung für ihr Engagement und ihren Idealismus. Dank gebührt ebenso allen Funktionsträgern – also den Schatzmeistern, Protokollern und Ausschussmitgliedern, die in diesen Jahren für den Verein Verantwortung mitgetragen hatten. Den ehemaligen Pianisten Holger Fiedler, Frank Greser und posthum Klaus Röder, der auch als Conférencier eloquent durch manches Konzert geführt habe, sei ebenfalls gedankt.

 

„Einsam sind wir Töne, gemeinsam sind wir ein Lied. Das Herz des Chores waren alle Sängerinnen und Sänger!“, stellte Dagmar Knauer heraus. Mit Enthusiasmus und immer mit viel Freude am Singen traf man sich wöchentlich einmal zur Chorprobe - zur „Singstund“ - und dies immer mit großer Leidenschaft! Allen nimmermüden Sangesbrüdern und Sangesschwestern sprach sie für deren Treue, Einsatz und Verbundenheit ihren ehrlichen und tiefen Dank aus, was auch für alle mittlerweile ausgeschiedenen oder verstorbenen Aktiven gelte. „Es war mir eine Ehre, diesem Verein angehört zu haben“, schloss sie ihre Ausführungen.

 

Aus der Geschichte 

Am 11. Februar 1868 fanden sich in Teuschnitz 15 sangesfreudige Männer zusammen, um - wie es im Gründungsprotokoll heißt - „Bildung, gesellige Unterhaltung durch Gesang, Instrumentalmusik und theatralische Abendunterhaltung..." zu fördern. 1871 zählte der Verein bereits 32 Sänger, 1873 schon 42 aktive Sangesbrüder. 1894 wurde ein weiterer Gesangverein gegründet, der den Namen „Erholung" führte. Am 09.03.1919 beschloss man in einer gemeinsamen Sitzung den Zusammenschluss beider Vereine unter dem Vereinsnamen „Gesangverein Teuschnitz“. Da der Gesangverein keine Sänger aus der Arbeiterschaft in seine Reihen aufnahm, gründeten diese am 16.11.1921 den Arbeiterschaft-Gesang Teuschnitz, der später den Zusatz „Liederkranz" trug. Hierauf reagierte der Gesangverein Teuschnitz und führte - wohl zur besseren Unterscheidung - den Zusatznamen „Cäcilia“. Unter dem Vorsitz beider Vereine schloss man sich Ende 1969 zum Gesangverein Teuschnitz zusammen.

 

Verein ruhte ab dem Jahr 2020 

Nach den erfolglosen Versuchen der Vorstandschaft, neue Mitglieder zu gewinnen, wurde der Chor dem fränkischen Sängerbund im Jahr 2020 als ruhender Verein gemeldet. Die Chorproben und öffentlichen Auftritte wurden eingestellt. Dem fränkischen Sängerbund gehörte man aber weiterhin an. Schweren Herzens erfolgte jetzt - auf Beschluss der anwesenden Mitglieder - die endgültige Auflösung. Somit ist der Teuschnitzer Gesangverein nach 157 Jahren Geschichte.

 

Erfreulicherweise gut etabliert hat sich das „Wirtshaus-Singen“, das seit 2024 alle vier Wochen im Gasthaus „Schwarzes Kreuz“ abgehalten wird. Hierzu sind alle Sangeslustigen, die in geselliger Runde Lieder anstimmen wollen, jederzeit ebenso herzlich willkommen wie auch alle Zuhörer.

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