Freudentag für Teuschnitz

Freudentag für Teuschnitz (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Freudentag für Teuschnitz

Am Freitag feierte die Schaubrauerei in Teuschnitz offizielle Eröffnung. Mit dem neuen Highlight findet ein Leuchtturmprojekt zur Wiederbelebung des historischen Ortskerns seine Vollendung.

 

Teuschnitz. Es ist schon ein wunderschönes Plätzchen, inmitten der Teuschnitzer Stadtmitte. Seit der Eröffnung finden im - von der Pächterfamilie Ercan und Anja Cinar liebevoll geführten - Quartiersmanagement „Schwarzes Kreuz“, inklusive Übernachtungsmöglichkeiten und herrlichem Biergarten, die Menschen zusammen. Seine wunderbare und sinnvolle Ergänzung erfuhr die Gastronomie, die sich längst einen Platz in der Bevölkerung als geselliger Treffpunkt erobert hat, durch eine „kleine, aber feine“ Schaubrauerei. Bei Kaiserwetter konnte die neue tipptopp ausgestattete Attraktion, die ein Stück Stadtgeschichte wieder lebendig werden lässt, im Beisein zahlreicher Verantwortlicher eröffnet werden. 

 

„Teuschnitz besitzt ein historisches Baurecht. Und dieses Recht wurde im Laufe der Jahrhunderte nicht nur bewahrt, sondern, so sagen es zumindest Überlieferungen aus der damaligen Zeit, wenn nötig, sogar mit der Verteilung von Hieben verteidigt“ - erläuterte Erster Bürgermeister Frank Jakob in seiner Ansprache die seit jeher besondere Bedeutung des Brauwesens und der Braukultur in Teuschnitz. Umso schöner sei es, diese Tradition heute in moderner Form weiterführen zu können. Der Weg bis hierhin sei - verhehlte er nicht - alles andere als einfach gewesen. Gleich zweimal stand das Projekt auf der Kippe: Einmal wegen massiver Kostensteigerungen und ein weiteres Mal durch den Wegfall des bereits im Vorfeld gewonnenen Braumeisters.

 

„Ein echter Glücksfall ist unser Thomas Kaiser“, zeigte er sich dankbar, dass dieser der Brauerei Leben einhauche und das Leitbild „Mit Liebe zum Handwerk“ nicht nur in Worten, sondern jeden Tag auch in seinem Tun verkörpere. Die beiden mittlerweile von ihm kreierten Biere seien eine echte Gaumenfreude. Aber noch weitere Verantwortliche hätten maßgeblich Anteil an der Realisierung des Leuchtturmprojekts, dem ein langer Entscheidungs- und Planungsprozess vorausgegangen sei. Sein Dank galt allen Stadträtinnen und Stadträten, die die Entscheidung mitgetragen hätten, seinem Bauhof und der Verwaltung, insbesondere Kämmerin Sabine Suffa, sowie seinem ehemaligen Geschäftsleiter, seit Mai dieses Jahres Erster Bürgermeister des Marktes Steinwiesen, Sven Schuster. Größten Respekt zollte er seiner Amtsvorgängerin, Alt-Bürgermeisterin Gabi Weber, für den Mut, diesen ganz neuen Weg zu beschreiten - etwas, das sich damals in dieser Form niemand anders getraut habe. „Von diesem Weitblick in die Zukunft wird Teuschnitz noch in den nächsten Jahrzehnten profitieren“, zeigte er sich sicher. 

 

Insgesamt wurden in die Brautechnik der Sudhaus GmbH rund 250.000 Euro investiert, unterstützt durch die Leader-Förderung. Die Kosten für das Gebäude belaufen sich auf rund 700.000 Euro. Hier dankte er der Regierung von Oberfranken für die großzügige Förderung im Rahmen der Städtebauförderung sowie der Oberfrankenstiftung, die das Projekt mit 121.500 Euro unterstützte. 

 

Martin Dotzler vom AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) ging auf die Intentionen des Leader-Programms ein. Dieses wolle den Menschen in ländlichen Räumen helfen, ihre Region gemeinsam weiterzuentwickeln. Interessiert zeigte er sich an den zukünftig angebotenen Braukursen vor Ort, die er selbst auch in Anspruch nehmen wolle. Von einer sehr schönen und speziellen Aufgabe, die ihr in ihrer 20jährigen Berufserfahrung bislang noch nie untergekommen sei, sprach die Architektin Anne-Kristin Geller vom für die Planung, Bauleitung und Bauüberwachung verantwortlich zeichnenden Duo Geller und Bornschlögel aus Bamberg. Das Gebäude habe man optisch einer Scheune nachempfunden, um damit den historischen - mit vielen Scheunen einst sehr landwirtschaftlich geprägten - Ortskern zu bewahren. Der spezifische Scheunenkranz rings um die steinernen Wohnhäuser entlang der Hauptstraße sei noch immer sichtbar. Gleichwohl habe der Ausbau als Scheunenersatzbau und in der gleichen Größe wie zuvor eine große Herausforderung dargestellt. „Wir mussten erstmal schauen, ob wir auf 49 Quadratmeter Grundfläche alles unterbringen“, räumte sie ein, dass das Gebäude schon winzig sei. Den Rohbau habe man vor dem Winter noch errichten; leider aber witterungsbedingt das Dach nicht mehr aufsetzen können. Dadurch sei man zeitlich in Bedrängnis geraten; nachdem die zeitliche Umsetzung förderungstechnisch klar definiert gewesen sei. Ein großer Dank galt hier den Baufirmen für ihre „Gelenkigkeit“. 

 

Gelenkigkeit ist ein gutes Stichwort, ist die Treppe in das Obergeschoss - dort, wo die Rohstoffe für den holden Gerstensaft lagern - sehr steil. „Des steila Treppla nauf und runter - Da bleibt man fit in meinem Alter“, schmunzelte Braumeister Thomas Kaiser, der die Schaubrauerei mit der Anschaffung eines neuen Sportwagens verglich: „Es dauert schon etwas, bis man das bedient. Aber so langsam kommt Routine rein.“ Gleichwohl bestätigte er, dass es sich dabei um ein echt feines Teil handele. Eine solche Brauerei in Betrieb zu nehmen, gehe mit großer Verantwortung - insbesondere auch aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds - einher, weswegen er sich viele Gedanken beim Brauen der ersten beiden Biere gemacht habe. Diese sollten so süffig sein, um auch mal ein paar mehr davon trinken zu können, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Herausgekommen sind ein helles Keller-Pils und das etwas dunklere „Oechsla“ als gutes Brotzeitbier. Beide werden im „Schwarzen Kreuz“ ausgeschenkt und finden durchwegs guten Anklang. Weitere Sorten sind in Planung. Ein großes Anliegen war ihm an dem Tag insbesondere der Dank an die Kämmerin Sabine Suffa, die von Anfang auch in die ganze Technik voll eingestiegen sei. Für sie gab es einen Blumenstrauß. Und auch der übrigen Verwaltung dankte er für die Wertschätzung, die man ihm und seiner Arbeit entgegenbringe. Ein großer Wunsch von ihm wäre, noch einen Braumeister-„Stiftn“ zur Unterstützung an die Seite zu bekommen. 

 

„Ich habe noch nie eine Schaubrauerei eingeweiht. Ich musste direkt einmal nachschauen, wie das geht“, verriet Dekan Detlef Pötzl, der aber wie immer die richtigen Worte fand, um den Segen für alle, die in dem Gebäude ein- und ausgehen, zu erbeten. Sein Lob galt allen, die einen Anteil am so guten Gelingen hatten. Er selbst sei zwar nicht der größte Bierkenner, aber er habe sich entsprechend umgehört, wie die Biere munden und die Meinung sei eindeutig: „Des ko mer schon gelou“ - in Teuschnitz Ausdruck höchsten Lobes. 

 

Text: Heike Schülein

Fotoserien

Eröffnung Schaubrauerei (DI, 26. Mai 2026)