Hilfe für den Teuschnitzer Friedhofsengel
Die Statue ist dringend sanierungsbedürftig. Durch Aktionen der Frauenliste kam ein finanzieller Grundstock zusammen. Nun spendeten die engagierten Damen weitere 500 Euro. Dennoch fehlt noch eine stattliche Summe auf die geschätzten Restaurationskosten.
Jeder Teuschnitzer und jede Teuschnitzerin kennt den Friedhofsengel. Die gütig auf ihre Betrachter herniederblickende Figur stand - soweit man zurückdenken kann - auf einem Granitsockel im Teuschnitzer Friedhof. Über dem Sammelgrab für sterbliche Überreste aus den Gräbern, die im Zuge des Kirchenneubaus umgebettet wurden, lud sie dort zum Innehalten und Gebet ein. Seit einiger Zeit ist der sich in einem sehr schlechten Zustand befindliche Engel zum Schutz vor der Witterung jedoch auf dem Bauhof in Teuschnitz eingelagert, wo er seiner hoffentlich baldigen Restaurierung entgegensieht.
„Uns liegt ein älteres Sanierungsangebot vor“, erklärte Bürgermeister Frank Jakob bei der Spendenübergabe von Vertreterinnen der Frauenliste Teuschnitz und des Landkreises Kronach im Teuschnitzer Rathaus. Der bereits vor seinem Amtsantritt erstellte Kostenvoranschlag sei mittlerweile aufgrund stark angestiegener Materialpreise nicht mehr gültig, sodass nunmehr von Restaurationskosten von rund 15.000 Euro auszugehen sei. Leider könne die Stadt die Summe nicht alleine tragen, da es sich dabei um eine „freiwillige Leistung“ handelt, die Konsolidierungsgemeinden wie Teuschnitz untersagt ist.
Hergestellt wurde die Figur um 1900. Nach Inaugenscheinnahme durch Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold handelt es sich um eine Kupfer-Galvanoplastik mit Gipskern, die seriell von der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen an der Steige hergestellt wurde. In der rechten Hand hält der Engel ein Kreuz mit Palmwedel und Rose; der Zeigefinger der linken Hand zeigt zum Himmel. Solche Plastiken kamen oft bei großstädtischen Familiengräbern vor. Im ländlichen Raum waren diese im Stile eines Grabengels gestalteten Statuen jedoch eher selten.
„Die Vollständigkeit der Figur ist ein sehr glücklicher Umstand. Man findet ähnliche Galvanoplastiken deutschlandweit nur noch auf Friedhöfen großer Städte wie München, Berlin oder Dresden“, erläuterte die Teuschnitzer Frauenliste-Stadträtin Hedwig Schnappauf. Da die Engel jedoch einst in größerer Anzahl produziert wurden; gewissermaßen ein Industrieprodukt seien, stehen sie nicht unter Denkmalschutz. Dennoch erachteten sowohl der Bezirksheimatpfleger, als auch viele Teuschnitzer Bürger die Erhaltung der sehr hochwertig und ansprechend gestalteten Plastik als wünschens- und empfehlenswert. Da die Stadt die Sanierungskosten nicht alleine tragen kann, beschloss der Stadtrat, für die Restaurierung einen Spendenaufruf zu veröffentlichen. Hierfür wurde ein Flyer bzw. Exposé gefertigt.
Durch mehrere Aktionen konnte die Frauenliste bereits einen ersten finanziellen Grundstock legen. So machten die engagierten Damen zum Beispiel beim alljährlichen „Tag der Städtebauförderung“ auf die Bedeutung der Statue aufmerksam und baten um Spenden. Zum anderen initiierten sie Flohmärkte auf dem Arnika- sowie Altstadtfest, bei dem sie auch leckere „Schäddla“ - eine Gebäckspezialität - backten und verkauften. Nunmehr entschieden sich die Damen der Frauenliste Teuschnitz gemeinsam mit der Frauenliste Landkreis Kronach, den Erhalt des Friedhofsengels erneut mit 500 Euro finanziell zu unterstützen. Aufgrund weiterer, auf dem Konto der Verwaltungsgemeinschaft eingegangener projektbezogener Spenden, darunter dankenswerterweise auch eine Großspende der Sparkassen-Stiftung, beträgt der aktuelle Spendenstand 6.589,31 Euro und somit knapp die Hälfte der voraussichtlichen Sanierungskosten.
Ein großer Dank der Frauenliste gilt allen bislang schon so großzügigen Spendern. Weitere Spendenaktionen sind geplant. Gemeinsam mit der Stadt und dem Stadtrat hofft man auf weitere finanzielle Unterstützung; hilft doch jeder Euro bei der Rettung des Engels.
Spenden:
Wer zum Erhalt des Friedhofsengels beitragen möchte, kann eine Spende an die Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz - IBAN: DE03 7715 0000 0570 3302 90 - unter dem Verwendungszweck „Friedhofsengel“ überweisen. Eine Spendenbescheinigung ist möglich. Die Spende kann auch in einem Kuvert in den Briefkasten am Rathaus geworfen werden. In diesem Fall bitte das Kuvert mit der Aufschrift „Friedhofsengel“ beschriften.
Der Teuschnitzer Friedhofsengel (Ehemals niedergeschriebene Bildbeschreibung zum historischen Foto):
Der Friedhofsengel steht in Teuschnitz auf einen großen Sockel mit der Innschrift „Gedenkstätte der beim Kirchen-Neubau 1947 aufgefundenen Toten. Grabstätte der Familie Kestel“. Frontansicht. Rechts direkt daneben befindet sich der Grabstein von Anna Marg. Kirmeyer, geb. Kestel., Studienprofessorswitwe, geb. 23.12.
1868, verstorben 9.03.1938. Links befindet sich der Grabstein des Ehemanns von Frau Kirmeyer mit folgender Aufschrift: Hier ruht in Gott mein innigstgeliebter herzensguter unvergesslicher Gatte Herr Jakob Kirmeyer Studienprofessor a.D. * 8.7.1869 zu Göggingen, + 17.12.1933 in Teuschnitz.
Anna Kirmeyer war eine geborene Kestel. Sie war wahrscheinlich die letzte Überlebende der Familie Kestel. Der Familie Kestel gehörte das Haus, in dem sich heute die Bibliothek befindet. Dieses Haus wird heute auch „Altes Torhaus“ genannt, da sich dort früher das Nordtor der Stadt Teuschnitz befand. Wahrscheinlich hat die Familie Kestel (Kirmeyer), da sie keine Kinder hatte, ihr Vermögen einschließlich Haus der Kirche vermacht.
Wer den Engel genau gestiftet hat, ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich wurde er in Ehren an die Familie Kestel auf der Grabstätte angebracht